Kinder und Fliegen

Kinder und Fliegen

Bei meinen vielen Flügen muss ich immer wieder feststellen wie viele Eltern ganz unvorbereitet mit Ihren Kindern (Babies und Kleinkinder) ins Flugzeug steigen.

Und die Eltern sind dann jedes Mal überfordert und verwundert warum Ihr Kind beim Fliegen anfängt zu schreien oder zu weinen. Und zwar in voller Lautstärke.

Da ich mir dies wirklich bei jedem Flug auffällt und nirgends Ratschläge für Eltern zum Thema Kinder und Fliegen gefunden habe, anbei nun meine Ratschläge, die wirklich praxiserprobt sind:

Kinder sind keine kleinen Erwachsene. Sie haben ein ganz anderes Zeitgefühl, wenn sie 1 oder auch 2 Stunden still auf dem Sitz sitzen müssen. Schon nach einigen Minuten wird es für sie verdammt langweilig. Also schon beim Packen des Handgepäcks genug zum Spielen mitnehmen. Ein bisschen mehr zu tragen, was sich aber wirklich lohnt (Malstifte, Buch, Stofftier, Auto, …). Das Thema Weinen vor Langeweile ist damit mit Nullaufwand erledigt.

Genauso wichtig ist, dass Kinder den Druck im Flugzeug viel stärker empfinden als  Erwachsene. Der beste Trick um den Druck im Ohr gar nicht erst aufkommen zu lassen:

Pro Ohr ein Kunststoffbecher (ganz einfach im Handgepaeck mitnehmen oder die Trinkglaeser aus dem Flugzeug verwenden) nehmen, ein Stück Watte, Tempo o.ä. reinstecken, mit einem bisschen Wasser Watte oder Tempo feucht machen und die beiden Kunststoffbecher mit der feuchten Watte bereits beim Verlassen der Reiseflughöhe auf die beiden Ohren des Kindes drücken (leichtes Andrücken). Das Verlassen der Reiseflughöhe ist ca 15 bis 20 Minuten vor der Landung und ist nicht mit dem Landeanflug zu verwechseln. Der Druck auf die Ohren beginnt zu einem Zeitpunkt, an dem wir Erwachsene noch gar nichts merken. Also nochmals: unsere Kinder sind keine kleinen Erwachsenen, die genauso wie wir empfinden. Vielleicht ist es ein bisschen lästig, dem Kind 15 Minuten die Becher auf die Ohren zu drücken, aber der Aufwand lohnt (kein Geschrei im Flugzeug, keine Schmerzen, die noch Stunden nach dem Flug andauern). Einfach mal ausprobieren, das Ergebnis ist umwerfend. Und kostenlos dazu auch noch!

Alternativ, aber nicht ganz so wirkungsvoll sind der Schnuller im Mund ab dem Zeitpunkt des Verlassens der Reiseflughöhe oder häufiges Trinken und Essen von Bonbons, Lutschern, etc.

Was gar nicht funktioniert: dem Kind den Befehl geben: schlucken, schlucken. Das funktioniert vielleicht bei Erwachsenen, aber das hatten wir ja schon 2x, Kinder sind keine kleinen Erwachsenen.

Einfach mal die Becher ausprobieren, sieht ein bisschen bescheuert aus, aber das Resultat spricht für sich.

Und nun: Gute und angenehme Flüge mit Euren Kindern

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Kinder lernen was sie erleben

Wenn ein Kind mit Kritik gross wird, lernt es zu verurteilen

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Wenn ein Kind in Feindseligkeit gross wird, lernt es gewalttätig zu sein

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Wenn ein Kind mit Spott gross wird, lernt es sich zu schämen

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Wenn ein Kind mit Verlegenheit gross wird, lernt es sich schuldig zu fühlen

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Wenn ein Kind mit Toleranz gross wird, lernt es geduldig zu sein

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Wenn ein Kind mit Anreiz gross wird, lernt es Vertrauen zu haben

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Wenn ein Kind mit Lob gross wird, lernt es zu werten

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Wenn ein Kind mit Gerechtigkeit gross wird, lernt es gerecht zu sein

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Wenn ein Kind in Sicherheit gross wird, lernt es zu glauben

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Wenn ein Kind mit Einverständnissen gross wird, lernt es sich selbst zu bewerten

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Wenn ein Kind in Akzeptanz und Freundschaft gross wird, lernt es Liebe auf der Welt zu finden

Ein Gedicht zum Vatertag

Gedicht eines Kindes zum Vatertag

Gib mir nicht alles, was ich von Dir haben will,

manchmal will ich nur etwas haben um zu sehen wie viel ich bekomme.

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Gib mir keine Befehle,

wenn Du mich bittest, mach ich die Dinge mit Freude.

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Halte immer Deine Versprechungen ein,

wenn Du mir eine Belohnung versprochen oder eine Strafe angedroht hast, gib sie mir.

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Vergleich mich mit niemandem,

wenn Du mich schlechter fühlen lässt als die anderen, bin ich es der leidet.

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Schrei mich nicht an,

ich bewundere Dich weniger, wenn Du mich anschreist und Du zeigst mir wie man schreit.

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Lass mich mich selbst bewerten,

oder ich werde es niemals lernen.

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Wenn Du Dich getäuscht hast, gib es zu,

und meine Meinung über Dich wird noch besser.

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Ich mache was Du machst,

aber sag niemals etwas und tue es dann nicht.

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Wenn ich Dir meine Probleme erzähle, sag mir nicht, dass Du keine Zeit hast,

versteh mich und hilf mir.

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Liebe mich und sag es mir,

mir gefällt es das zu hören

Gutenachtgeschichte

Im Laufe der Erziehung meiner Tochter habe ich von Tag zu Tag mehr und mehr den positiven Einfluss der Gutenachtgeschichte vorm Schlafengehen erkannt.

Erstaunt war ich, dass ich bisher kaum etwas darüber gelesen hatte in all den Büchern, die man zur Kindererziehung halt so liest.

Aus diesem Grunde will ich hier eine kleine Zusammenfassung der positiven Einflüsse der Gutenachtgeschichte vorm Schlafengehen machen.

Die Gutenachtgeschichte kann positive Auswirkungen auf folgende Punkte haben:

-         zweisprachige Erziehung

-         Verarbeitung der Tageserlebnisse durch das Kind

-         Verstehen der Eltern durch das Kind

-         Erleichterung des Einschlafens

-         Lernen neuer Zusammenhänge

Zugegeben, die positiven Auswirkungen, wie stark oder schwach sie sind, hängen natürlich von uns Eltern ab, wie gut wir die Gutenachtgeschichte positiv nutzen können. Mit ein bisschen Übung und vielleicht ein bisschen Vorbereitung sollte es aber klappen.

Auswirkung auf die zweisprachige Erziehung:

Bei der Gutenachtgeschichte hat das Elternteil, das nicht die Landessprache als Muttersprache hat, die beste Chance mit seinem Kind in seiner Muttersprache zu kommunizieren und kann sich einer 100%igen Konzentration des Kindes auf diese gemeinsame Kommunikation sicher sein. Aus Interesse konzentriert sich das Kind in der Sprache der Gutenachtgeschichte auf Inhalt und Sprache. Das Kind erlernt die Sprachen durch einfaches Zuhören. Nichts kann für uns so einfach sein wie dem Kind eine schöne und für das Kind interessante Gutenachtgeschichte zu erzählen und dem Kind ganz nebenbei noch die 2. Sprache zu vermitteln. Da die Gutenachtgeschichte eine grosse Priorität im Leben des Kindes ist, gibt es der Sprache der Gutenachtgeschichte auch eine höhere Wichtigkeit. Sehr zu empfehlen ist, dass die Gutenachtgeschichte in der Sprache erzählt wird, die im Alltagsleben des Kindes weniger Bedeutung hat. Kommen für das Kind unbekannte Worte in der Geschichte vor, so kann man sicher sein, dass das Kind aus Neugier nach der Bedeutung des Wortes fragt. Eine Übersetzung des Wortes ist erlaubt.

Verarbeitung der Tageserlebnisse durch das Kind

Durch eine geschickte Gutenachtgeschichte kann dem Kind geholfen werden für das Kind unangenehme oder komplizierte Situationen des vergangenen Tages zu verarbeiten.

Gerne erzähle ich die Gutenachtgeschichte von 2 existierenden Lieblingspuppen, die dann ähnliche Situationen erleben und mit der Situation umgehen oder diese Situation dann positiv verarbeiten. Das Kind lernt die Situation objektiv von aussen zu sehen und der Situation die Wichtigkeit zu geben, die die Situation wirklich hat. Meist wesentlich geringer als das Kind im Moment gegeben hat. Durch die Gutenachtgeschichte kann man Lösungsansätze geben oder das Kind kommt ganz allein auf die Lösungen, die es dann den Puppen in der Geschichte  erzählt. Hier hat man die einzigartige Chance dem Kind zu erklären, dass alles auch eine positive Seite haben kann. Auch hier liegt die positive Auswirkung der Gutenachtgeschichte an uns, den Eltern. Wir müssen diese gut überlegen und wenn nötig auch ein bisschen vorbereiten.

Verstehen der Eltern durch das Kind

In der Gutenachtgeschichte kann man Personen erfinden (Prinzen, Prinzessinnen, Tierchen, Puppen) und diese auch mit den Charaktereigenschaften ausstatten, die für die Geschichte gut sind. Ich benutze neben vielen Prinzen und Prinzessinnen, die immer eine Vorbildfunktion haben, auch die beiden Lieblingspuppen. Die eine ist noch klein und man muss auf sie aufpassen, die andere schon ein bisschen grösser, ein bisschen frech, macht viel dummes Zeug und isst am liebsten immer Süssigkeiten.

Die Gutenachtgeschichte gut erfunden, lässt sich dem Kind ganz einfach vermitteln, warum verschiedene Erziehungen notwendig sind. Ohne dass irgendwas passiert, kann man so z.B. die eine Puppe immer Süssigkeiten essen lassen und die andere immer Gemüse etc. Dass die eine klein und dick wird, schlechte Zähne bekommt und die andere wunderschön wird wie eine Prinzessin ist ja klar. Nur zu gerne will das Kind auch so wunderschön werden wie die Prinzessin. Ganz klar, was das Kind morgen essen will: Gemüse etc statt Süssigkeiten! Natürlich muss die Geschichte glaubhaft und nicht zu plump erzählt werden, damit wir selbst auch glaubhaft bleiben und weiterhin die Gutenachtgeschichte erzählen können.

Erleichterung des Einschlafens

Wer kennt nicht das Problem, dass die Kinder abends total aufgedreht sind und einfach nicht so schnell in Bett gehen und einschlafen wie wir wollen?

Das Positive ist, dass wir es selbst in der Hand haben dies zu optimieren.

Ein Kind gewöhnt sich an regelmässige Abläufe, Rituale. Dies kann z.B. sein: Schlafanzug anziehen, Abendessen, Zähneputzen, ins Bett gehen, Gutenachtgeschichte, Einschlafen.

In diesen regelmässigen Ablauf packen wir auch unsere Gutenachtgeschichte, die aber unbedingt mit Kind im Bett, und dann vielleicht auch noch mit ausgeschaltetem Licht erzählt wird. Durch den festen Ablauf lernt das Kind, dass nach der Geschichte geschlafen wird, es kann (siehe vorherige Kapitel) aufregende Dinge des Tages noch einmal mit einem Elternteil verarbeiten und den Tag mit Lösungen beenden. Durch das Liegen im Bett, ausgeschaltetes Licht oder abgedämmtes Licht und eine ruhige Stimme und eine Gutenachtgeschichte mit beruhigendem positiven Inhalt entsteht eine beruhigende Stimmung für das Kind, so dass das Einschlafen ganz von allein kommt. Wichtig ist die konsequente Einhaltung des Ablaufs, die Ruhe, die die Eltern ausstrahlen und auch eine beruhigende Geschichte. Also Eltern, konsequent sein, ruhig sein und die notwendige Länge der Geschichte unbedingt an die Bedürfnisse des Kindes anpassen (und nicht an den Fernsehfilm, der in 5 Minuten anfängt).

Lernen neuer Zusammenhänge

In die Gutenachtgeschichte lassen sich natürlich geschickt auch neue Zusammenhänge einbringen. Die Hauptdarsteller in der Geschichte erleben neue Sachen oder sehen neue Dinge, die das Kind vorher nicht gekannt hat. So wie in der Geschichte die Hauptdarsteller lernen, lernt das Kind dabei gleich mit. Ganz automatisch. Nur bitte jetzt keine trockenen Rechenaufgaben in die Geschichte einpflanzen, das wäre doch zu einfach fürs Kind zu erkennen, dass hier manipuliert werden soll.

Ganz einfach können aber die Hauptdarsteller in der Gutenachtgeschichte fremde Länder mit den dortigen Menschen kennenlernen, das erste Mal mit dem Flugzeug fliegen, Skifahren, Kochen, etc.

Mit der Zeit wird das Kind die regelmässigen Gutenachtgeschichten lieben und an keinem Abend mehr missen wollen. Wichtig für uns Eltern ist, dass wir die möglichen positiven Einflüsse der Gutenachtgeschichte erkennen und auch nutzen.

Am besten natürlich ist die spontane Gutenachtgeschichte, die alle positiven Regeln einhält. Mit der Zeit kommt diese Spontaneität von ganz allein. Am Anfang ist es vielleicht noch notwendig, dass man sich vor der Gutenachtgeschichte ein bisschen auf Inhalt und Hintergründe der Gutenachtgeschichte vorbereitet.

Die Geschichte wird von uns Eltern natürlich geführt, wenn auch das Kind beim Problemlösen und Mitgestalten der Geschichte aktiv mitgestalten darf. Mit der Zeit lässt sich erkennen, dass das Kind bemüht ist, der Geschichte einen positiven Verlauf zu geben und alle für das Kind wichtige Hauptdarsteller mitspielen zu lassen.

Bei uns z.B. ist es nicht gestattet, dass die Geschichte beinhaltet: Hexen, Krokodile oder Kohlrabi.

Und nun wünsche ich Euch und Euren Kindern viel Spass beim Gutenachtgeschichteerzählen.

Und: mit der Zeit werdet Ihr und Eure Kinder immer mehr Gefallen daran finden!

zweisprachige Erziehung

Definition der Zweisprachigkeit:

Zweisprachigkeit heisst, dass man in zwei Sprachen sprechen und verstehen kann, möglichst sowohl verbal als auch schriftlich.

Zweisprachigkeit heisst nicht automatisch von der einen Sprache in die andere dolmetschen zu können. Bleibt die Frage offen, wie gut man die zwei Sprachen sprechen und verstehen muss, um als zweisprachig zu gelten.

Meist sind die beiden Sprachen unterschiedlich gut vorhanden. Beide Sprachen perfekt zu sprechen kommt dagegen seltener vor.

Zweisprachigkeit heisst also nicht 2 Sprachen 100,00% zu beherrschen.

Grundkenntnisse in einer 2. Sprache werden nicht als Zweisprachigkeit definiert.

Unterscheidungen bei der zweisprachigen Erziehung:

Unterschieden wird bei der Zweisprachigkeit zwischen Erlernen der 2. Sprache nach Beherrschen der Muttersprache und dem gleichzeitigen Lernen von 2 Sprachen.

Beim Erlernen der 2. Sprache nach dem Beherrschen der Muttersprache ist es besonders günstig diese bereits in der frühen Kindheit zu erlernen, spätestens aber vor Eintritt in die Puberbät. In diesen Fällen geht man derzeit davon aus, dass die 2. Sprache sehr gut beherrscht wird.

Ebenfalls wird von Zweisprachigkeit gesprochen, wenn im Erwachsenenalter eine 2. Sprache gelernt und beherrscht wird. Dies erfolgt in der Regel im Falle von Auswanderung. Auch in diesem Falle kann die Sprache sehr gut beherrscht werden.

Bevorzugte Sprache während der zweisprachigen Erziehung:

Meist spricht das Kind bevorzugt, die Sprache, in der der grosse Familienteil spricht und das Umfeld, Schule, Kindergarten und Freunde. Dabei handelt es sich in der Regel um die Sprache, die in dem Land, in dem das Kind aufwächst, gesprochen wird.

Vermischen der beiden Sprachen:

Häufig kann man eine Vermischung der Sprachen bemerken. Fälschlicherweise wird dies als Zeichen dafür gesehen, dass der zweisprachig Sprechende keine der beiden Sprachen vollkommen beherrscht.

Ursache ist jedoch, dass noch nicht alle Vokabeln in beiden Sprachen vorhanden sind oder weil sich etwas in der einen Sprache viel einfacher oder besser ausdrücken lässt.

Dies ist vor allem dann zu beobachten, wenn Zweisprachige untereinander sprechen. Das Vermischen kommt eigentlich nicht vor in der Kommunikation mit jemandem, der nicht beide Sprachen beherrscht.

Keine Überforderung durch die zweisprachige Erziehung:

In den seltensten Fällen werden beide Sprachen gleich gut gesprochen. Eltern sollen sich deswegen keine Gedanken machen, wenn nicht beide Sprachen gleich gut beherrscht werden und auf keinen Fall einen Leistungsdruck auf das Kind ausüben, da dies kontraproduktiv ist.

Die zweisprachige Erziehung an sich ist keine Überforderung für das Kind, zur Überforderung kann es erst dann kommen, wenn die Bedingungen zum Erlernen der Sprache schlecht sind (Kind kommt nicht mit 2 Sprachen zurecht, Eltern kommen nicht mit der zweisprachigen Erziehung zurecht).

Noch vor ca 50 Jahren galt die Theorie, dass 2 Sprachen ein Kind überfordern. Das Erlernen von anderen Dingen würde durch diese Überforderung gebremst werden. Diese Theorie wurde allerdings auf falsche Vorstellungen als auch auf falsche Untersuchungen begründet. Mittlerweile ist die Ansicht, dass zweisprachige Kinder geringere Intelligenzwerte haben, vollkommen überholt. Das Erlernen von 2 Sprachen kann unter bestimmten Umständen sogar abstraktes Denken unterstützen.

Die zweisprachige Erziehung stellt demnach nach dem heutigen Wissensstand keine Überforderung dar. Schwierigkeiten treten für das Kind erst auf, wenn die Sprachaufteilung oft wechselt oder die Eltern die Sprache nicht gut genug sprechen und ausser einem Elternteil keine weiteren Personen die Nichtlandessprache sprechen.

Sprachaufteilung während der zweisprachigen Erziehung:

Ganz wichtig ist noch vor Beginn der zweisprachigen Erziehung folgendes zu definieren und sich dann auch möglichst zu 100% daran zu halten:

Definition der Sprachaufteilung

personenbezogene Aufteilung (Mutter, Vater, …)

Umfeld (Umgebung, Schule, Kindergarten, Urlaub, Familie, …)

Am sinnvollsten ist, dass beide Elternteile mit dem Kind die jeweilige Muttersprache des Elternteils wählen. Dies ist für die Eltern die einfachste und natürlichste Art mit ihrem Kind zu kommunizieren. In dieser Sprache fühlen sich die Eltern am sichersten in der Kommunikation mit ihrem Kind.

Die personenbezogene Aufteilung der Sprachen funktioniert insbesondere gut, wenn das Elternteil mit der Nichtlandessprache sehr viel Zeit mit dem Kind verbringt. Kann dies wegen Kindergarten oder Schule nicht realisiert werden, kann dies dadurch kompensiert werden, dass das Elternteil, das die Landessprache spricht, ebenfalls in die Nichtlandessprache wechselt, um der Nichtlandessprache  eine höhere Bedeutung zu geben.

Sprechen die Eltern in verschiedenen Sprachen, so werden gewöhnlich die Sprachen personenbezogen gesprochen. Schwierig ist dies generell für das Elternteil, dass nicht die Sprache des Landes spricht. Dieses Elternteil unterliegt oft der Versuchung oder der Notwendigkeit die Kommunikation mit dem Kind auch für die Umgebung zu übersetzen, was die eigene Sprache behindert oder sogar verhindert, dass diese Sprache regelmässig mit dem Kind gesprochen wird. Es fehlt dann an der wichtigen Konsequenz immer die gleiche Sprache zu sprechen.

Im allgemeinen lernen die Kinder die Landesprache ohne Probleme. Die 2. Sprache jedoch ist für das Kind schon schwieriger. Hier ist es sehr wichtig darauf zu achten, dass der 2. Sprache die entsprechende Wichtigkeit gegeben wird. Wird die 2. Sprache durch ein Elternteil konsequent angewendet, hat diese Sprache seine Wichtigkeit. Die Wichtigkeit wird aber stark reduziert, wenn die 2. Sprache nicht konsequent angewendet wird. Das Kind kann dann den Sinn der 2. Sprache nicht erkennen.

Der Einfluss der Sprachkenntnisse beider Elternteile in der Nichtlandessprache ist von sehr grosser Bedeutung. Merkt das Kind, dass die Eltern untereinander nur in der Landessprache sprechen, so fragt sich das Kind, warum es mit mit den Eltern in 2 verschiedenen Sprachen sprechen soll. Eine Blockadehaltung ist dann vorprogrammiert.

Da Kinder die Eltern imitieren, ist es auch nur logisch, dass diese die 2 Sprachen seltener vermischen, je weniger dies die Eltern tun.

Mögliche Probleme während der zweisprachigen Erziehung:

Schwierige Zeit für die Zweisprachigkeit ist die Schulzeit. In dieser Zeit entwickelt sich dann die starke und die schwache Sprache. Dies ist auch der Moment in dem es häufig zum Blockieren der Nichtlandessprache kommt. Das Kind merkt jetzt, dass die gesamte Umgebung nur in einer Sprache kommuniziert. Die Frage nach dem Sinn der 2. Sprache beginnt. Dieses Blockieren kommt meist in Phasen.

Problempunkt ist immer das Umfeld / Familie, die in der Kommunikation in der Nichtlandesssprache mit dem Kind nicht alles verstehen und dies als unhöflich ansehen kann. Als Lösung kann man hier entweder dem Umfeld mitteilen, warum die Beibehaltung der Nichtlandessprache wichtig ist für die Erziehung des Kindes oder für die Umgebung übersetzen. In wenigen Einzelfällen kann auch in die Landessprache gewechselt werden.

Wichtigster Punkt bei der zweisprachigen Erziehung ist die Konsequenz, in der die Eltern bei der gewählten Sprache mit ihrem Kind bleiben. Je mehr Ausnahmen gemacht werden, desto eher fragt sich das Kind, wieso soll ich mit Dir in der Sprache sprechen, wenn Du mich auch in der anderen Sprache verstehst.

Einfach ist die zweisprachige Erziehung für die Eltern keineswegs. Oft gibt es Probleme und oft wird daran gedacht das Handtusch zu werfen. Aber Durchhaltevermögen und Disziplin zahlen sich aus.

Ein Elternteil, dass nicht in seiner eigenen Muttersprache mit dem Kind kommunizier, tut sich immer schwerer Vorbild für das Kind in dieser Sprache zu sein, da es selbst die Sprache nicht gut spricht.

Positive Einflüsse auf die zweisprachige Erziehung:

Um Sprachen richtig zu lernen sollen Kinder die Sprachen nur von Muttersprachlern lernen und hören. Das bedeutet, dass die Landessprache, sofern beide Elternteile nicht die Landessprache als Muttersprache haben, von den Kindern im Umfeld, heisst Kindergarten, Schule, etc erlernt werden soll.

Zweisprachig erzogene Kinder lernen 2 und auch 3 Sprachen mit perfekter Aussprache, wenn Sie mit der Zweisprachigkeit in der frühen Kindheit beginnen. Die 2. Sprache wird nicht durch anstrengendes Lernen erlernt, sondern einfach durch Zuhören. Die Grundlagen der Grammatik beider Sprachen besitzen Kinder spätestens mit 4 Jahren.

Bei der Regel jedes Elternteil kommuniziert in der eigenen Muttersprache, lernt das Kind schnell und sicher und weiss immer genau in welcher Sprache es zu welchem Elternteil zu antworten hat.

Bei der Nichtlandessprache wird das Erlernen dadurch noch vereinfacht, wenn Zuhause beide Eltern in dieser Sprache kommunizieren, da dies dem Kind eine höhere Bedeutung der Sprache vermittelt.

Sehr positiv ist die Sprache in der Umgebung des Kindes. Sprechen auch andere Personen die Nichtlandessprache, so ist die Blockadehaltung wesentlich geringer, weil das Kind bemerkt, dass die Sprache auch zur Kommunikation mit anderen Familienangehörigen / Freunden nützlich ist.

Für ein Kind ist es leichter eine verbreitete Sprache zu lernen, weil es dafür von seiner Umgebung bewundert wird. Eine weniger verbreitete Sprache wird dagegen weniger bewundernd wahrgenommen und das Erlernen für das Kind weniger motivierend. Aber auch in den anderen Fällen ist eine Bereicherung für das Kind und gibt dem Kind die Möglichkeit mit beiden Familien in der jeweiligen Sprache zu kommunizieren

Grundvorrraussetzung zur Erlernung einer Sprache ist für das Kind der Sinn dieser Sprache. Dazu müssen entweder viele Personen im Umfeld des Kindes diese Sprachen sprechen oder eine wichtige Bezugsperson für das Kind.

Ebenfalls sehr wichtig für die Sprache ist die gesamte Umgebung des Kindes, wie Familie, Freunde und Bekannte. In dieser Umgebung benutzt das Kind ebenfalls regelmässig die eine oder die andere Sprache.

Das Kind gibt der Sprache eine Wichtigkeit, wenn Besuche bei der im Ausland lebenden Familie gemacht werden.

Heutzutage ist eine zweisprachige Erziehung längst keine Ausnahme mehr, da immer mehr binationale Ehen gegründet werden. Das Bildungssystem kommt mit der Anzahl der darin geborenen zweisprachigen Kindern aber hinten und vorne nicht mehr mit.

Der Beginn der zweisprachigen Erziehung soll nicht erst mit den ersten Worten des Kindes starten. Die sprachliche Entwicklung beginnt bereits viel früher. Am besten ist der konsequente Start der zweisprachigen Erziehung bereits ab der Geburt.

Zweisprachige Kinder tuen sich leichter beim Erlernen einer 3. Sprache, da sie bereits ein Gefühl für Sprachen erlernt haben.

Erfahrungen in der zweisprachigen Erziehung

Liebe Blogleser,

egal, wo man seine Ohren und Augen hat, überall liest und hört man man Zweisprachigkeit oder zweisprachige Erziehung, insbesondere von Politikern, die selbst keine praktischen Erfahrungen damit haben.

Die Wichtigkeit dieses Themas schein in einer globalen Welt scheint gewaltig zu sein.

Da kommen gewöhnliche Medien wie Zeitung oder das Fernsehen bei der Nachrichtenverbreitung nicht mehr hinter her und versuchen zum Teil ohne praktisches Erfahrungen oder theoretisches Wissen auf den Zug aufzuspringen.

Unglaublich vielen Menschen, insbesondere Kinder sind von den Folgen der Globalisierung der Welt mit verschiedenen Sprachen betroffen.

Witzigerweise suchte ich selbst Informationen zum Thema zweisprachige Erziehung. Ich fand ausschliesslich theoretische Hinweise und Ratschläge von Fachleuten und Experten.

Ich konnte aber keinen Artikel finden, der sich auf praktische Erfahrungen bezog.

Aus diesem Grund habe ich nun einen ausführlichen Artikel zum Thema „Erfahrungen in der zweisprachigen Erziehung“ geschrieben, und ich würde mich sehr freuen Ihre/Eure Kommentare und Erfahrungen hier lesen zu können.

Teil 1:

Ich will nicht über Theorien diskutieren wie Sprachgefühlt bei Zweisprachiger Erziehung oder von wem lernt das kennt die ersten Worte, hier soll ausschliesslich über praktische Erfahrungen in der zweisprachigen Erziehung schrieben und diskutiert werden.

Selbst bin ich nicht sprachenbegabt, aber bereits einige Sprachen gelernt:

Latein: mittelmaessig angefangen, schlecht aufgehört

Englisch: mittelmässig angefangen, mittelmässig aufgehört

Französich: schlecht angefangen, gut aufgehört

Spanisch: trotz jahrlangem Aufenthalt in Spanien nur Mittelmass

Chinesisch: angefangen

Die kleine Tocher:

Spanisch: sehr gut

Deutsch: gut

Englisch: Worte

Ohne auch nur die geringsten Erfahrungen in der zweisprachigen Erziehung zu haben, haben wir seit dem ersten Tag die Sprachen 100% getrennt. Mutter spricht spanisch, Vater deutsch. Der einzige und beste Tip, den wir aus dem Bekanntenkreis bekommen haben.

Die Reaktionen im Babyalter waren natürlich schlecht zu deuten, aber bereits als Kleindkind schon ersichtlich. Da Deutsch die seltenen gehörte Sprache war, waren folgende Reaktionen öfters sichtbar:

- keine Lust deutsch zu reden oder zu hören

- Verzicht auf Gutenachtgeschichte in Deutsch, wenn spanisch nicht möglich

- mehr deutschsprachige Personen um sich: Höhere Priorisierung der deutschen Sprache beim Hören und Sprechen

- nach Besuch: langsames Reduzieren der Priorität

- Deutsch ist die Sprache, die nur Papa und ich können, so etwas wie eine Geheimsprache vor anderen

- Mama kann kein deutsch, nur wir beide (obwohl Mama sehr gut)

- mit 5 Jahren in Deutschlandurlaub: am 1. Tag Kommunikation in Substantiven, am 2. Tag bereits mit Verben in Infinitivform, am 3. Tag bereits Partizip als Vergangenheitsform verwendet. Danach ein ganzes Vokabularium, das ich in den letzten Jahren zusammen verwendet hatte, nicht aber in den letzten Tagen. Nach dem Urlaub wurde der Standard mehr oder weniger gehalten und danach noch leicht gesteigert. Ganz zum Stolz des Vaters!

- Sehen und sprechen: ja; nur telefonieren: nein

- Videos: Sprache ist egal, selbst wenn die Tochter wählen darf

- bei bekannten normalschwierigen Worten und ganzen Sätzen ist ein sehr gutes Dolmetschen in schneller Geschwindigkeit vorhanden

- als Geheimsprache immer gut: Lass Dir die Schaukel nicht von dem grossen Kind wegnehmen, Papa hilft Dir wenn was passiert

- bei Müdigkeit: keine Lust auf Deutsch, lieber keine Geschichte als eine Geschichte in Deutsch.

- keine Lust anderen Kindern Deutsch beizubringen

- dann hatte ich die Idee: gleich das Kind zum Chinesischkurs anmelden, wenn das alles so wunderbar klappt: aber nach ein bisschen Nachdenken muss ich mir gestehen: 1 Sprache sehr gut, 2. Sprache gut, 3. Sprache derzeit Worte: eine 4. Sprache, und das noch so kompliziert wie chinesisch ist wohl doch in dem Alter zuviel und kann später immer noch nachgeholt werden, bei Bedarf natürlich.

Als 1. Teil der Erfahrungen reichts jetzt erstmal und ich warte mal das allgemeine Interesse ab, dann gibts natürlich noch mehr.

Für Feedbacks (aus praktischer Erfahrung) und eigene Erfahrungen würde ich mich sehr freuen.

 Teil 2

Bis zum 18. Lebensjahr kann sich das Kind ja beider Staatsbürgerschaften erfreuen, dann kommt aber der Tag der Entscheidung.

Ziel der Erziehung muss dabei sein, dass die Sprache keinen Einfluss auf die Entscheidung hat (beide müssen 100% vorhanden sein).

Heisst: die weitere Berufsausbildung kann sowohl in Deutschland als auch in Spanien ohne jeden sprachlichen Nachteil erfolgen und auch die spätere Berufsausübung kann in beiden Ländern erfolgen.

Als Kleinkind war zu beobachten, dass die Umstellung auf die andere Sprache bei Urlauben immer ca 1 Tag gedauert hat, bis das Verstehen und Sprechen kam.

Mittlerweile hat sich dies wesentlich reduziert, am 2. Tag ist dann natürlich alles auf gutem Niveau vorhanden.

Wichtig war für uns auch, dass beide Landesgebräuche Teil der Erziehung sind:

-         Nikolaus / Santa Claus

-         Christkind / papa Noel

-         Osterhase, 1. April und Reyes Magos, Karneval

Zugegeben, da die Erfolge auf sich warten liessen, war ich nicht nur einmal drauf und dran die Zweisprachige Erziehung abzubrechen, da das ständige Nichtwollen, Nichtverstehen und die Erfolgslosigkeit nicht viel Hoffnung zeigten. Dies war sogar im Alter von 4 Jahren. Ganz kurz vor dem Durchbruch beim 5. Geburtstag. Und dann ging ja alles viel schneller als erwartet. Man kam mit den Erfolgserlebnissen gar nicht mehr mit. Seitdem weiss ich, dass nichts umsonst war und bin überglücklich. Also nie aufgeben, die Kinder sind schlauer als wir es meinen. Ich kann auch nichts mehr sagen in keiner Sprache, ohne dass die Tochter alles versteht. Vorher konnte ich noch schnell reden und konnte mir sicher sein, dass sie nichts versteht. Die Zeiten sind längst vorbei.

Deutlich sichtbar ist, dass die angewendete Sprache des Kindes mit dem Gesicht des Kommunikationspartner zusammenhängt. Deshalb unbedingt die Regel keine Vermischung der Sprachen, eine Person bleibt immer bei der gleichen Sprache immer einhalten, auch wenn es teilweise noch so schwer und frustrierend ist und das Kind mal  nicht will oder sogar weint.

Mir selber geht’s tatsächlich auch so, dass ich immer mit einem Gesicht eine Sprache verbinde und dabei nicht mehr überlege in welcher Sprache ich sprechen, sondern dies läuft vollautomatisch ab.

Hin und wieder kommt dann: ich verstehe Dich nicht. Ich habe wiederholt und maximal einige Worte übersetzt ohne in die andere Sprache zu verfallen. Ganz wichtig: hart bleiben, auch zu sich selbst. Wie schon geschrieben hatte ich vielfach schon fast hingeworfen.

Es ist ganz wichtig sich sehr viel Mühe beim Verstehen zu geben (Aussprache). Es war für mich ganz normal, dass zwei Sprachen mit derart unterschiedlicher Betonung nicht einfach zu unterscheiden sind für ein Kind. Das Besserwerden kam ganz von selbst. Das Kind wiederholte einfach nur die Worte und Redewendungen der Bezugspersonen. Mir wurde da erstmal klar, welche Gewohnheiten ich beim Reden hatte, welche Worte ich oft verwendete und in welcher Betonung. Durch das Nichtverstehen durch die Aussprache zweifelt das Kind dann an der Richtigkeit seiner Sprache, das ist vor allem bei der 2. Sprache sichtbar. Bei der 1. überhaupt nicht, da es sich da voll und ganz sicher fühlt. Jedes Verstehen in der 2. Sprache wird für das Kind zum Erfolgserlebnis, es freut sich und gibt ihm Ansporn mehr zu sprechen, andere Worte zu sprechen und weiterzumachen. Lieber einmal zuviel Lob als einmal zu wenig.

Teil 3

Um die Zweisprachigkeit weiter zu trainieren haben Puppen und Tiere, die entweder spanisch oder deutsch sprechen. Meine Tochter spricht dann tatsächlich mit der einen in spanisch undm mit der anderen in deutsch. Alles in schnellem Wechsel. Und: auch ich muss mich daran halten meint meine Tochter.

Ein Kind kopiert alles, daran muss ich mich immer wieder erinnern: mein Vokabular, meine Grammatik, meine Betonung. Meiner Tochter zuzuhören ist die beste Möglichkeit mich selbst zu beobachten. Deshalb ist es so wichtig, dass ich selbst in der Sprache ein gutes Vorbild bin. Selbst Teile eines Dialekts übernimmt das Kind so oder auch nicht.

Das heisst: je besser ich selbst die Sprache spreche und beherrsche, desto besser die Sprache des Kindes. Wie schon geschrieben, wollte ich deshalb nicht, dass das Kind mit absoluten Anfängern in Deutsch lernt und von einem Lehrer mit absolut mittelmaessigen Deutschkenntnissen unterrichtet wird.

Um uns auf die zwei Sprachen zu konzentrieren verbringen wir unsere Urlaube auch immer bewusst in spanisch- oder deutschsprachigen Gebieten. Interessant sind dabei vor allen Dingen Urlaubsorte wie Mallorca und Fuerteventura, etc. Mit grosser Neugier fragte mich meine Tochter: ist das Spanien oder Deutschland? Spanien! Und wieso sprechen die Leute hier alle deutsch? Auf jeden Fall fühlte sie sich in jedem Moment sprachlich wie zuhause. Und gewechselt wurde mit der Sprache auch dauernd. Kinder, Kellner, Verkäufer …

Und noch mal möchte ich daran erinnern, wie schwer es mir selbst immer wieder gefallen ist: nicht aus Höflichkeit in die andere Sprache zu verfallen oder aus Bequemlichkeit oder Ungeduld. Selbst Geduld haben: es lohnt sich bestimmt. Konsequenz ist oberste Priorität.

Zum Training und zur Kontrolle auf welchem Stand das Kind gerade ist mache ich hin und wieder folgendes: ich verstehe meine Frau nicht und lasse meine Tochter übersetzen. Dass ich meine Frau nicht verstehe prägt sich beim Kind ein, mit der Konsequenz, dass ich öfter die Übersetzung bekomme als ich gedacht hatte. Und: ich sehe sofort welche Fortschritte sich ergeben haben und wo die Schwächen noch sind. Die schwierigsten Punkte, könnte ich auch vorher selbst drauf gekommen sein, sind die Punkte in denen die Grammatik abweichend ist und Ausnahmen der Grammatik.

Ob richtig oder nicht, weiss ich auch nicht, aber ich bin mit Korrekturen immer immer sparsam umgegangen, damit nicht die Unlust überhand gewinnt. Zu oft hatte ich wahrscheinlich früher spüren müssen, dass mein Kind keine zweite Sprache lernen wollte. Ich merke jetzt aber, dass sie heute jede Korrektur freundlich und interessiert aufnimmt und auch sofort nachspricht.

Kinderbücher haben wir immer in beiden Sprachen. Und auch als sie noch nicht lesen konnte, wusste sie immer, welches Buch in deutsch und welches in spanisch ist. Und genauso musste es vorgelesen werden. Ausnahmen haben wir von anfang an auch gar nicht erst zugelassen. Wisst Ihr wie schwer es ist ein Kinderbuch in einer Sprache zulesen und in der anderen dem Kind zu erzählen? Nicht die Übersetzung, nein, man muss jedes Buch doch hunderte mal lesen. Und dann immer die gleiche Übesetzung? Das Kind merkt tatsächlich, dass ich immer was anderes erzähle. Deshalb: ich bin immer bei der Sprache des Buches geblieben und das Kind hat dies auch akzeptiert.

Auch die Gewohnheit haben wir immer in der gleichen Sprache gelassen: Hausaufgaben aus Vorschule oder Kindergarten immer in spanisch, Gute Nachgeschichten immer in Deutsch. Man gewöhnt sich dran und das Kind ganz genauso. Und da der ganze Tag in verschiedene Gewohnheiten aufgeteilt ist, kann dies sehr gut in 2 Sprachen aufgeteilt werden. (Hausaufgaben, Gutenachtgeschichten, Frühstück, Mittagessen, Abendessen, Spielen mit Eltern, Fernsehen, Video, Telefonieren mit verschiedenen Personen, …)

Ich habe immer gedacht, dass durch das Fernsehen und Video in der entsprechenden Sprache gelernt wird, da sich das Kind vollkommen auf die Geschichte im Fernsehen konzentriert.

Bemerkt habe ich allerdings, dass nur sehr wenige Worte im Vokabular meiner Tochter aus dem Fernsehen oder aus Videos kommen. Zum Verstehenlernen bestimmt sehr gut, aber zum Selbersprechen hat mich TV und Video nicht überzeugt.

Wahrscheinlich hängt dies damit zusammen, dass die TV und Videos uns sehr stark visuell ansprechen. Heisst die meisten Reize sind visueller Natur, die Sprache ist dabei eher untergeordnet.

Anders bei Vorlesen und Geschichteerzählen. Meine Tochter ist vollkommen konzentriert aufs Erzählen und greift immer öfter auch in die Geschichte ein, indem sie manche Inhalte so nicht akzeptiert und korrigiert oder weitere Personen in die Geschichte integriert. Ich habe mit Geschichteerzählen die besten Erfahrungen gemacht und es macht mir auch sehr viel Spass immer wieder neue Geschichten mit meiner Tochter zu erfinden, die Abend für Abend wieder eine neue Fortsetzung haben. Mittelpunkt sind dabei immer ihre Puppen und ihre Lieblingstierchen.

Je mehr ich selbst drauf achte: ich habe nie Unterricht gegeben oder bewusst Grammatik in der 2. Sprache gegeben. Das Lernen war wie bei der Muttersprache Learning by Doing und spielerisch (Spielen, Geschichten, Video, Unterhaltung, Lesen).

Neue Inhalte wie Lernen der Länder, Biologie, Rechnen etc lasse ich mit Geduld erstmal in der Schulsprache. Ich sage, dann auch immer in spanisch heisst das …, und der Papi sagt …

Ich denke immer es ist schon anstrengend genug, das neue Thema zu lernen. Wenn das sitzt, dann ist die Übersetzung viel einfacher.

Und jetzt bin ich selbst mal gespannt wie ich es in Zukunft mit Deutschunterricht halte, denn Sprechen lernen ist eine Sache, aber Schreiben lernen ist vielleicht doch etwas schwerer. Aber warten wir mal ab.

Teil 4

 Umfeld und Familie

Bei Familientreffen tritt eigentlich immer eine Sprache ins Abseits, da meist alle ausser einem Elternteil eine Sprache sprechen. Man kann solche Situationen natürlich etwas unkomplizierter gestalten.

Meine Regeln in solchen Situationen:

-         irgendwo in der Nähe des Kindes sitzen, damit nicht in der 2. Sprache quer über den Tisch gesprochen werden muss und so die Kommunikation gestört wird.

-         Hin und wieder Kommentare in eigener Sprache zum Kind, damit es nicht das Gefühl hat, dass eine der Sprachen jetzt plötzlich keine Bedeutung mehr hat.

-         Sprache der Familie verwenden, wenn es sich um Kommunikation mit allen handelt

Gerne macht das Kind auch immer das Spiel mit unsere Sprache als unsere Geheimsprache zu verwenden.

-         schon wieder Suppe?

-         Hat der Onkel aber eine Wampe bekommen

-         Soll ich der Tante sagen wie schön Ihre Haare sind?

Das Kind reagiert immer mit viel Spass auf solche Ideen und springt auch dann gerne zwischen den beiden Sprachen hin und her.

Oder auch versteckte Kommentare:

-         gib der Oma einen Kuss, die freut sich dann bestimmt

-         setz Dich richtig hin

Deutlich schwieriger ist die Situation, wenn das Kind im Kreise seiner einsprachigen Cousins und Cousinen ist. Da gilt für mich dann auch wieder die Regel, wenn ich mit der Tochter spreche, in unserer Sprache, wenn ich allen etwas sage, dann die Sprache der Cousins und Cousinen, oder auch für die Cousins und Cousinen übersetzen.

Vor Lehrern und Musiklehrern ist dies generell kein Problem.

Diese freuen sich zu sehen, wie das Kind in 2 Sprachen kommunizieren kann und freuen sich fürs Kind. Verstehen ist dabei absolut zweitrangig.

Meine Regel, die sich generell sehr bewährt hat und die ich mit aller Konsequenz einhalte:

Ich mache die Sprache immer davon abhängig, wen ich beim Sprechen ansehe. Das ist ja dann auch die Person, mit der ich kommuniziere.

Dadurch halte ich zu 100% ein, dass die direkte Kommunikation zwischen mir und mit meinem Kind immer in deutsch stattfindet.

Dabei sollte man nicht vergessen, welchen Wert die Kenntnisse solcher praktischen Erfahrungen in der zweisprachigen Erziehung auch im Vergleich mit der Theorie noch vor Beginn der eigenen zweisprachigen Erziehung haben.

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Viel Spaß!

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